better feel outdoor – Innerstädtischer Freiraum

Ort:  GRAZ
Fläche: ca. 12 m2

Planungsbeginn: 09/2014
Baubeginn: 11/2015
Fertigstellung: 04/2016

Das Projekt steht für den Wunsch nach privaten, innerstädtischen Freiräumen in der, in mitteleuropäischen Städten vorherrschenden, städtebaulichen Typologie gründerzeitlicher Stadtviertel.

Die Innenhöfe werden, wo vorhanden, als schätzenswerte Grünoasen erkannt, die als Kompensationskörper zur Straßenseite und der belebten Umgebung dienen.

Die herkömmlichen Wirtschaftsbalkone sind hinsichtlich ihrer Größe, Ausgestaltung und historischer Nutzung nicht mehr zeitgemäß, geschweige denn den Wünschen und steigenden Anforderungen der Bewohner gewachsen. Es manifestiert sich der Wunsch nach privatem Freiraum in Verbindung mit den Vorzügen des städtischen Lebens und des klassischen Altbaus.

Waren es einst die repräsentativen, straßenseitig ausgerichteten Räume, so ist es nun zunehmend die ruhige, grüne Innenhof-Seite, die für den Wert und die Wohnqualität in Gründerzeithäusern ausschlaggebend ist.

Es ist somit ein prototypartiger Versuch für eine zeitgemäße Nutzung, und weitere Steigerung der Wohnqualität, der Typologie der klassischen Blockrandbebaung.

Das Objekt befindet sich in der Sparbersbachgasse, 8010 Graz und liegt somit nach dem Grazer Altstadterhaltungsgesetzt in der Schutzzone III. Es stellt sich in dieser Umgebung aus planerischer Sicht die Anforderung, möglichst wenig Gestaltwirksamkeit der statisch notwendigen Maßnahmen zur Schau zu tragen und somit Ergänzungen unter Bedachtnahme der bestehenden Strukturen zu realisieren.

Die Größe des Balkons richtet sich am Raster der bestehenden Hoffassade aus und schafft eine Verfünffachung der Bestandsfläche ohne einen maßstäblichen Widerspruch mit sich zu bringen.

Dies verlangt nach geringen Konstruktionsdicken und optischer Leichtigkeit und Eleganz, sowohl in Wahl der Materialien, als auch in Feingliedrigkeit und Detailgenauigkeit der Ausführung. Vor der Kulisse der schlichten Hoffassaden benötigt es Präzision und Reduktion, ebenso wie Gliederung und Rhythmik, um Selbstständigkeit und ein Einfügen ins Ensemble zugleich zu erreichen.

Bei der Wahl der Materialien ist hinsichtlich Optik und Haptik Bedacht auf ein Wechselspiel zwischen Glanz und Mattheit, ebenso wie auf einen berücksichtigten und eingeplanten Alterungsprozess Wert gelegt.

Das dreidimensionale Flachdraht-Weitspiralgitter als brüstungsfüllendes Element bietet Transparenz von innen und außen, und dennoch ein Gefühl der Geborgenheit. Es harmoniert und verbindet in Grobheit und Schattenwurf, Aufgelöstheit und Massivität zwischen der Vegetation davor und dem historischen Rieselputz dahinter.

Der Bodenbelag und der Brüstungshandlauf sind aus massiver, vor Montage zur Auswasserung und natürlichen Voralterung ausgelegten Eiche, um eine einheitliche Ergrauung und somit eine schöne, gleichmäßig verlaufende Alterung zu erhalten.

Sowohl die Überdachung, als auch die Bodenebene sind zur Gänze nach hinten entwässert und werden gesammelt in das bestehende Fallrohr des Hauses eingeleitet.

Das Dach bildet einen luftig leichten Abschluss, wellenartig geknickt, zum Rand hin sich öffnend.

Die Glasplatten sind, gemäß der Feingliedrigkeit der Konstruktion in kompakte Formate unterteilt, wobei jeweils die mittleren Elemente öffenbar sind, um eine autarke Wartung zu gewährleisten.

Mit der Öffnung des privaten Raums in die Halböffentlichkeit der Innenhöfe, entsteht eine weitere Ebene innerstädtisch- naturräumlicher Bezüge.

… „better feel outdoor“!